Musik - nicht von dieser Welt
Indische Klassik im Kirchheimer Schloß
Ein ungewöhnliches akustisches Erlebnis wurde den Zuhörern im Kirchheimer
Zedernsaal beschert: der großartige Nachwuchsmusiker und jüngste
Musikprofessor
Indiens, Ranajit Sengupta, faszinierte sein Publikum mit Maharishi Gandharva-Veda, der klassischen Musik der alten vedischen Hochkultur, die als
Ursprung für
die östliche wie westliche Musik gilt.
Fremdartig und beinahe so, als wären sie nicht von dieser Welt, wirkten die
Klangbilder, die der hochbegabte Inder auf der Sarod, einem Saiteninstrument
ähnlich der Sitar, malte. Und obgleich er lediglich von zwei weiteren
Musikern,
Prabir Kumar Mitra auf der Tabla - dem Rhythmusinstrument - und Nantu auf der
Tambura, begleitet wurde, hatte der Zuhörer der Eindruck, ein vollständiges
Orchester zu vernehmen, so tief und beeindruckend sind die Empfindungen,
die die
indische klassische Musik im Gemüt des Menschen hinterlaßt.
So wird sicherlich jeder der Anwesenden ein anderes einzigartiges
Konzerterlebnis gehabt haben, denn diese Musik ist nicht intellektuell,
sondern
rein emotional zu erfassen, trägt jede Seele, jedes Bewußtsein in andere
Sphären. Mächtig und zugleich harmonisch, friedlich und aufrührend,
entspannend
und klärend sind die Melodien der "Afternoon Ragas", die die Musiker ihren
Zuhörern schenkten. Die ewigen Rhythmen den Natur, des Werdens und Vergehens,
manifestieren sich in den für unser Gehör so fremden und gleichzeitig so
vertrauten Tönen.
So erlebten die Zuhörer im Zedemsaal vielleicht weniger ein Konzert im
westlichen Sinn des Begriffes als eher eine sehr angenehme und gute
Meditation.
Wer Ranajit Sengupta auf der Sarod spielen hörte, wird vielleicht ein wenig
mehr begreifen können, weshalb alle für uns so sensationellen und fast
märchenhaft anklingenden Phänomene, die die Fakire umgeben, aus dem indischen
Kulturkreis kommen.
Andrea Magg