Die Welt, 23.6.99
Hamburg, Feuilleton / Aktuelle Kritik
Von Georg Borchardt
Am leichtesten gelingt die Berührung der Kulturen durch die Musik. Ranajit
Sengupta aus Kalkutta ist ein charismatischer junger Mittler zwischen
Indien und Europa, sein Instrument der altindische Sarod - eine Art Laute
mit 25 Saiten. Schon früher war sein Ruhm nach Hamburg gedrungen. Er kehrt
immer wieder hierher zurück. Im Spiegelsaal war er auf dem Sarod im
"klassischen Dialog" mit dem Tabla-Spieler Prabir Mitra zu hören, der die
Töne seiner zwei Handtrommeln aufs feinste mit den gleitend-schwirrenden
Tonhöhen des Sarod harmonisieren ließ. Dazu rührte Rita Panesar unentwegt
gleichmütig-langsam wie flüsternd das obligate Saitenspiel. Ranajit und
Prabir wandelten einige der uralten "Ragas", Grundmuster aus wenigen Tönen,
streng traditionell, aber auch mit individueller Phantasie ab - erst ruhig,
dann hinreißend wirbelnd im Rhythmus und Tempo gesteigert. Organisiert
hatte den wunderbar inspirierten Abend ein von altindischer Philosophie
begeisterter Hamburger Physikstudent und seine Unigruppe "Naturgesetz", in
Kooperation mit der Musikhochschule, wo ein Workshop mit Manfred Stahnke
vorangegangen war.